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Der österreichische Mittelstand – geprägt von traditionsreichen Familienbetrieben – ist das Rückgrat der heimischen Wirtschaft. Langfristigkeit, regionale Verantwortung und unternehmerische Unabhängigkeit sind zentrale Werte. Entsprechend groß ist die Zurückhaltung gegenüber Beteiligungskapital: Viele Unternehmen setzen lieber auf klassische Kreditfinanzierung.
Doch angesichts zunehmender Unsicherheiten stellt sich die Frage: Reicht diese Einseitigkeit noch aus? In Österreich hat sich über Jahrzehnte eine enge Bindung zwischen Unternehmen und Hausbanken entwickelt, basierend auf Vertrauen, Nähe und stabilen Beziehungen. Staatliche Garantien und Förderinstrumente verstärken diesen Fokus auf Kreditfinanzierung zusätzlich – selbst bei Investitionen, die ohne Sicherheiten schwer umsetzbar wären.
Gleichzeitig gilt Beteiligungskapital als unvereinbar mit den Prinzipien vieler Familienunternehmen. Kontrolle von außen oder Exitszenarien widersprechen der eigenen Vorstellung von nachhaltigem Unternehmertum. Steuerliche Anreize für Eigenkapitalaufbau fehlen – ein weiterer Grund, warum Beteiligungslösungen in Österreich kaum genutzt werden.
Wenn Vertrautes an seine Grenzen stößt
Doch die Realität verändert sich. Strengere Kreditvorgaben, volatile Märkte, geopolitische Spannungen und eine schwächelnde Konjunktur belasten zunehmend die Mittelstandsunternehmen. Die klassische Finanzierung stößt an Grenzen, der Zugang zu Fremdkapital wird schwieriger. Was fehlt, ist eine tragfähige Eigenkapitalbasis, die finanzielle Widerstandskraft stärkt und gleichzeitig Spielräume eröffnet – sei es für Investitionen, Digitalisierung oder den Generationenwechsel.
Ein Blick ins Ausland – etwa nach Großbritannien oder in die USA – zeigt, dass Beteiligungskapital dort längst als strategisches Instrument gilt. Es wird nicht als Kontrollverlust, sondern als Hebel für Wachstum, Professionalisierung und Innovation verstanden. Natürlich sind kulturelle Unterschiede spürbar, doch Beteiligungskapital muss nicht im Widerspruch zur Identität stehen.
Gerade für konservativ geführte Betriebe bieten sich heute Finanzierungsalternativen, die Kapitalzugang ermöglichen, ohne unternehmerische Freiheit aufzugeben:
- Crowdfinancing: Hier wird Kapital über viele Kleinanleger aufgebracht – oft verbunden mit lokaler Verankerung, Kundenbindung und transparenter Kommunikation. Unternehmer behalten dabei die Kontrolle.
- Revenue Based Financing (Umsatzbeteiligung): Unternehmen erhalten Kapital, das anteilig am Umsatz zurückgezahlt wird – ohne fixe Tilgungsraten oder externe Mitsprache. Das schützt die Liquidität und sorgt für Flexibilität in schwankenden Umsatzphasen.
Essenziell ist, sich frühzeitig um Finanzierungsalternativen zu kümmern. Wer erst nach Alternativen sucht, wenn Kredite versiegen, hat zu spät reagiert. Unternehmer, die flexibel bleiben wollen, sollten neben Bankdarlehen auch andere Finanzierungsformen prüfen – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung.
Finanzierung neu denken
Der österreichische Mittelstand darf stolz auf seine Prinzipien sein. Doch in einem wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld reicht Tradition allein nicht mehr aus. Wer zukunftsfähig bleiben will, muss auch bei der Finanzierung neue Wege denken, um genau das zu ermöglichen, was vielen Familienunternehmen am wichtigsten ist: ein stabiles, unabhängiges Wachstum mit Weitblick.
Werner Edlinger ist Gründungspartner und Geschäftsführer von Tauros Capital, dem führenden österreichischen Anbieter von Umsatzbeteiligungen. Seit über 30 Jahren prägt er die heimische alternative Finanzierungs- und Beteiligungslandschaft.
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